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23.07.2026

Retentionsdächer und Dachentwässerung im Regelwerkskontext

Die DIN 1986 100 bildet den normativen Rahmen für die Planung der Dachentwässerung. Der folgende Beitrag beleuchtet deren Anwendung und Weiterentwicklung im Zusammenhang mit begrünten Flachdächern.

Niederschlagsverhältnisse als Planungsgrundlage
Für die Planung und Auslegung von Dachentwässerungssystemen sind die zu erwartenden Niederschlagsverhältnisse maßgeblich. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) stellt hierzu verschiedene Kenngrößen zur Verfügung, unter anderem im Klimaatlas. Betrachtet man die Abweichungen vom Referenzzeitraum 1971–2000, sich aus den veröffentlichten Datensätzen unter anderem folgende Entwicklungen ablesen:

• Zunahme der Gesamtniederschläge im Jahresmittel
• Verschiebung eines größeren Niederschlagsanteils in die Wintermonate
• Längere Trockenphasen im Sommer
• Zunahme der Starkregenereignisse

Für die Bemessung der Dachentwässerung sind insbesondere die Regenspenden relevant. Diese werden in Deutschland im KOSTRA Atlas ausgewiesen. Die aktuell anzuwendende Fassung KOSTRA DWD 2020 ist seit dem 01.01.2023 gültig und bildet die Grundlage für die hydraulische Bemessung von Entwässerungssystemen.

Von der Ableitung zur Retention
Vor diesem Hintergrund hat sich der Aufgabenbereich der Dachentwässerung erweitert. Neben der sicheren Ableitung von Niederschlagswasser rücken zusätzliche Funktionen in den Fokus der Planung. Die in den KOSTRA Datensätzen ausgewiesenen höheren Regenspenden führen zu höheren Bemessungsabflüssen. Gleichzeitig wirken sich saisonale Niederschlagsverteilungen auf die Auslegung der Dachabläufe aus, etwa im Hinblick auf Frostsicherheit oder den Einsatz beheizbarer Abläufe.

Parallel dazu wird dem verfügbaren Rückhalteraum auf Flachdächern – sofern statische und konstruktive Randbedingungen dies zulassen – eine größere Bedeutung beigemessen. Anstauhöhen, verzögerter Abfluss und funktionale Abstimmungen zwischen Dachabdichtung, Entwässerung und Notentwässerung sind planerisch zu berücksichtigen. Bei begrünten Dächern ergeben sich zusätzliche Wechselwirkungen zwischen Substrataufbau, Durchlässigkeit, Wasserhaltevermögen und Entwässerungseinrichtungen.

Damit steigt der Planungsaufwand für Dach  und Grundstücksentwässerung. Diese sind nicht isoliert, sondern gewerkeübergreifend zu betrachten. Eine frühzeitige Abstimmung zwischen Architektur, Tragwerksplanung, Entwässerungsplanung, Dachabdichtung und – soweit relevant – Freianlagen  bzw. Grundstücksentwässerung ist erforderlich. Bereits in der Vorplanung sollte gemeinsam mit dem Bauherrn festgelegt werden, welche Anforderungen an Dachentwässerung, Rückhaltung und Notentwässerung gestellt werden.

Bedeutung der DIN 1986 100 und der Entwurfsfassung
Diese Entwicklung spiegelt sich zunehmend auch in den Regelwerken wider. Die DIN 1986 100 stellt ein zentrales technisches Regelwerk für die Gebäude  und Grundstücksentwässerung dar und enthält umfangreiche Vorgaben zur Planung, Ausführung und Berechnung, einschließlich der Dachentwässerung. In früheren Überarbeitungen wurden unter anderem Regelungen zur Unterdruckentwässerung ergänzt.

In der derzeit gültigen Fassung der DIN 1986 100 sind jedoch noch keine konkreten Anforderungen zur Planung und Berechnung von Retentionsdächern enthalten. Dies soll sich mit der nächsten Ausgabe ändern: Mit der im Juni 2025 veröffentlichten Entwurfsfassung (E DIN 1986 100) ist erstmals ein eigenständiges Kapitel zum Retentionsdach vorgesehen. Dieses beschreibt unter anderem die Ausführung der Dachabdichtung sowie an die Auslegung der Notentwässerung bei Retentionsdächern. Damit wird das Retentionsdach erstmals ausdrücklich als wasserwirtschaftlich wirksames Bauteil im Regelwerk berücksichtigt und planerisch klarer eingeordnet.

Erweiterte Anforderungen an die Dachentwässerung
Die Aufgaben der Dachentwässerung beschränken sich nicht mehr allein auf die hydraulische Ableitung. Vielmehr ist sie integraler Bestandteil eines abgestimmten Gesamtsystems aus Dachabdichtung, Nutzungsschicht, Entwässerungseinrichtungen und gegebenenfalls Notentwässerung. Die aus Anstauhöhen resultierenden Lasten sowie die Wechselwirkungen mit der Abdichtung müssen im Rahmen der Planung berücksichtigt und nachgewiesen werden.

Darüber hinaus sind Abflussspitzen gezielt zu dämpfen, indem geeignete Rückhalte  oder Retentionsräume vorgesehen werden. Dies betrifft nicht nur den Dachaufbau selbst, sondern auch die Abstimmung mit der Grundstücksentwässerung und – soweit relevant – mit nachgelagerten öffentlichen Entwässerungssystemen.

Zusammenfassende Einordnung
Die Dachentwässerung hat sich zu einem technisch und regelwerksseitig erweiterten Planungsfeld entwickelt. Neben der sicheren Ableitung von Niederschlagswasser sind Rückhalte  und Retentionsfunktionen, abgestimmte Anstauhöhen sowie eine Notentwässerung zu berücksichtigen. Insbesondere die Häufung von Starkregen und längeren Trockenphasen macht Retentions- und Rückhaltekonzepte auf (begrünten) Flachdächern zu einem zentralen Baustein, um Gebäude zu schützen und Abflussspitzen für Grundstück und Kommune zu reduzieren. 

Die Ergänzungen der E DIN 1986-100 greifen diese Entwicklung auf und schaffen künftig klarere Grundlagen für Planung, Ausführung und Notentwässerung von Retentionsdächern.  Damit steigen jedoch auch die Anforderungen an die gewerkeübergreifende Planung: Frühzeitige Zieldefinitionen mit dem Bauherrn sowie eine abgestimmte Auslegung von Abdichtung, Anstauhöhen und Entwässerungssystemen sind entscheidend, um Sicherheit und Funktion langfristig zu gewährleisten.

 

Autor: Mathias Johr, Referent ACO Haustechnik

Weiterführende Informationen erhalten Sie gerne bei der

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Die DIN 1986 100 bildet den normativen Rahmen für die Planung der Dachentwässerung. Der folgende Beitrag beleuchtet deren Anwendung und Weiterentwicklung im Zusammenhang mit begrünten Flachdächern.
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Dachentwässerung, Flachdach, Retention, DIN 1986 100, Bemessung, Deutsche Wetterdienst, DWD, Dachabdichtung, Entwässerung, Notentwässerung

ACO Haustechnik mit Sitz in Philippsthal (Hessen) und Stadtlengsfeld (Thüringen) ist innerhalb der ACO Gruppe Spezialist für Entwässerungstechnik im Objektbau. Als WaterTech-Unternehmen betrachtet ACO Haustechnik den gesamten Wasserkreislauf in Gebäuden. Ziel ist es, Wasser als wertvolle Ressource zu schützen und Abwasser durch geeignete Technik wieder nutzbar zu machen. Mit Systemlösungen für Entwässerung, Abscheide- und Pumpentechnik ermöglicht ACO Haustechnik einen sicheren Umgang mit Regen- und Abwasser, von der Ableitung über Rückhaltung und Speicherung bis hin zu Nutzung und Reinigung. ACO Haustechnik begleitet Bauprojekte von der Planung bis zum Service und unterstützt Planer sowie Fachhandwerker bei Anforderungen wie Brandschutz, Schallschutz, Hygiene und montagegerechter Installation.

 

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Die Dachentwässerung hat sich zu einem technisch und regelwerksseitig erweiterten Planungsfeld entwickelt. Insbesondere die Häufung von Starkregen und längeren Trockenphasen macht Retentions- und Rückhaltekonzepte auf (begrünten) Flachdächern zu einem zentralen Baustein, um Gebäude zu schützen und Abflussspitzen für Grundstück und Kommune zu reduzieren.
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Die Dachentwässerung hat sich zu einem technisch und regelwerksseitig erweiterten Planungsfeld entwickelt. Insbesondere die Häufung von Starkregen und längeren Trockenphasen macht Retentions- und Rückhaltekonzepte auf (begrünten) Flachdächern zu einem zentralen Baustein, um Gebäude zu schützen und Abflussspitzen für Grundstück und Kommune zu reduzieren. Bildquelle: ACO Haustechnik
Mathias Johr, Technischer Referent und geprüfter Fachplaner für Starkregenvorsorge, ACO Haustechnik
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Mathias Johr, Technischer Referent und geprüfter Fachplaner für Starkregenvorsorge, ACO Haustechnik Bildquelle: ACO Haustechnik